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Verordnung

Rehasport-Verordnung: Formular 56, Gültigkeit und was der Arzt eintragen muss

Das Blatt für den Rehasport heißt amtlich Muster 56 und ist ein Antrag auf Kostenübernahme. Sie erfahren, was die Ärztin oder der Arzt eintragen muss, welche Fristen die Rahmenvereinbarung dafür nennt und was nach der Ausstellung passiert.

7 Min. Lesezeit 27. Juli 2026 Rüdiger Schröder

Auf dem Blatt, das Sie aus der Sprechstunde mitnehmen, steht nicht das Wort „Verordnung“. Oben steht „Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport / für Funktionstraining“, und in der Ecke die Nummer des Vordrucks, Muster 56. Das klingt nach einer Kleinigkeit, bestimmt aber den nächsten Schritt. Ein Rezept lösen Sie ein. Ein Antrag dagegen muss erst von jemandem geprüft und bewilligt werden.

Im Alltag hat sich das Wort „Rehasport-Verordnung“ eingebürgert, in Arztpraxen hört man auch „Formular 56“ oder „Rehasport-Rezept“. Gemeint ist immer dasselbe Blatt. Falsch ist die Bezeichnung auch nicht. § 64 Absatz 1 Nummer 3 des Neunten Sozialgesetzbuchs nennt als Leistung den „ärztlich verordneten Rehabilitationssport in Gruppen unter ärztlicher Betreuung und Überwachung“. Auf dem Vordruck selbst steht diese Überschrift aber nicht.

Muster 56: ein Blatt, zwei Unterschriften

Rehabilitationssport und Funktionstraining sind ergänzende Leistungen zur Rehabilitation nach § 64 Absatz 1 Nummer 3 und 4 SGB IX in Verbindung mit § 43 SGB V. Sie gehören nicht zu den Heilmitteln, also nicht zu Behandlungen wie Krankengymnastik oder Massage. Aus diesem Grund läuft der Rehasport nicht über den Heilmittelvordruck, und die Zuzahlungsregel für Heilmittel gilt hier nicht. Der Deutsche Behindertensportverband weist Ärztinnen und Ärzte außerdem darauf hin, dass eine Verordnung auf Muster 56 das Heilmittelbudget der Praxis nicht belastet. Das kann helfen, wenn Sie in der Sprechstunde um das Formular bitten.

Der Vordruck hat zwei Teile. Den oberen füllt die Arztpraxis aus. In den Vordruckerläuterungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung steht dazu ein Satz, der die Rollen klärt. Danach können Vertragsärztinnen und Vertragsärzte mit dem Muster 56 zum Antrag der oder des Versicherten Stellung nehmen. Den Antrag stellen also Sie. Den unteren Teil füllen Sie selbst aus und unterschreiben ihn, bevor das Blatt zur Krankenkasse geht.

Wer die Verordnung ausstellt

Ausstellen kann sie die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, in der Hausarztpraxis ebenso wie in der Facharztpraxis. Die Rahmenvereinbarung beschränkt das nicht auf bestimmte Fachgruppen. Bei der Rentenversicherung gilt eine Ausnahme. Zahlt die Deutsche Rentenversicherung den Rehabilitationssport im Anschluss an eine medizinische Rehabilitation, verordnet ihn die Ärztin oder der Arzt der Reha-Einrichtung.

Welche Fassung gilt

Die Regeln stehen in der Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation. Die aktuelle Fassung ist am 1. Januar 2022 in Kraft getreten. Sie hat die Vereinbarung vom 1. Oktober 2003 in der Fassung vom 1. Januar 2011 abgelöst (Ziffer 19.1). Für alle Verordnungen, die ab dem 1. Januar 2022 ausgestellt wurden, gilt die neue Fassung.

Danach wurde auch der Vordruck angepasst. Das Muster 56 in seiner heutigen Form gilt seit dem 1. Januar 2023. Bekommen Sie einen älteren Bogen, prüfen Sie, welche Fassung es ist. Ältere Fassungen enthalten die erweiterten Angaben zum Teilhabebedarf und zur Leistungsdauer noch nicht. Mit Teilhabebedarf ist gemeint, welche Unterstützung Sie brauchen, um am Alltag teilzunehmen.

Was die Ärztin oder der Arzt eintragen muss

Ziffer 14.2 der Rahmenvereinbarung zählt die Pflichtangaben auf. Auf dem Blatt müssen stehen:

  • die Diagnose nach ICD-10-GM, dem amtlichen Schlüssel für Diagnosen, bei Bedarf ergänzt um Nebendiagnosen
  • die Gründe und Ziele, weshalb Rehabilitationssport oder Funktionstraining erforderlich ist, mit Angaben zu den Funktionseinschränkungen und zur psychischen und körperlichen Belastbarkeit
  • die Dauer der Maßnahme
  • eine Empfehlung, welche Sportart oder Trainingsart geeignet ist
  • bei weiteren Verordnungen die Begründung, warum Sie die erlernten Übungen noch nicht selbstständig durchführen können
  • bei schwerstbehinderten Menschen der erhöhte Teilhabebedarf

Die Vordruckerläuterungen gehen weiter ins Detail. Rehabilitationssport und Funktionstraining lassen sich nicht gemeinsam auf einem Blatt beantragen. Bei den Schädigungen muss die Praxis festhalten, wie sie sich im Alltag auswirken. Die KBV nennt als Beispiel „eingeschränkte Gehfähigkeit aufgrund Coxarthrose re.“, gemeint ist eine Arthrose im rechten Hüftgelenk. Angekreuzt werden darf nur eine Rehabilitationssportart. Beim Funktionstraining stehen Trocken- und Wassergymnastik zur Wahl. Wenn es medizinisch notwendig ist, können beide zusammen verordnet werden. Außerdem trägt die Praxis ein, wie viele Übungsstunden pro Woche sie empfiehlt, und zwar eine oder zwei, mit Begründung höchstens drei.

Den Umfang kreuzt die Praxis an, sie schreibt ihn nicht frei hin. Für den Rehabilitationssport gelten in der gesetzlichen Krankenversicherung 50 Übungseinheiten in 18 Monaten als Richtwert. Bei den schweren Erkrankungen, die die Rahmenvereinbarung aufzählt, sind es 120 Übungseinheiten in 36 Monaten. Für das Funktionstraining sind es zwölf Monate, und in Herzgruppen gelten eigene Werte. Weicht die Praxis davon ab, muss sie die abweichende Zahl in ein eigenes Feld eintragen. Welcher Wert in welcher Situation vorgesehen ist, lesen Sie ausführlich in unserem Beitrag dazu, wie oft und wie lange Rehasport bewilligt wird.

Der Teil, den Sie selbst ausfüllen

Im unteren Feld tragen Sie den Leistungserbringer ein. Das ist die Einrichtung oder der Verein, bei der Sie teilnehmen möchten, mit Postleitzahl und Ort, zum Beispiel den Rehabilitationssport in unserem Zentrum. Falls Sie schon an einer Gruppe teilnehmen, tragen Sie dort auch das Datum ein. Danach unterschreiben Sie. Ohne Ihre Unterschrift ist der Antrag nicht vollständig. Achten Sie außerdem darauf, dass Rehabilitationssport- und Funktionstrainingsgruppen nach Ziffer 8.1 der Rahmenvereinbarung anerkannt sein müssen. Ohne diese Anerkennung zahlt der Rehabilitationsträger nicht.

Wie lange die Verordnung gültig ist

Bei dieser Frage weicht die verbreitete Auskunft von den Originaltexten ab. Die Rahmenvereinbarung enthält kein allgemeines Verfallsdatum für die ärztliche Verordnung. Ziffer 14.3 sagt nur, dass die einzelne Verordnung für den Zeitraum gilt, den die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt für notwendig hält. In der gesetzlichen Krankenversicherung muss dieser Zeitraum im Rahmen der dort genannten Werte bleiben.

Oft heißt es, der Rehasport müsse innerhalb von drei Monaten oder zwölf Wochen nach der Ausstellung beginnen. Das steht weder in der Rahmenvereinbarung noch in den Vordruckerläuterungen der KBV. Eine Drei-Monats-Frist kommt in der Vereinbarung nur an einer Stelle vor, und dort geht es um etwas anderes. Ziffer 1.2 verlangt für Leistungen der Rentenversicherung und der Alterssicherung der Landwirte, dass der Rehabilitationssport innerhalb von drei Monaten nach dem Ende der medizinischen Rehabilitation beginnt. Davon hängt ab, ob dieser Träger zuständig ist. Wie lange das Formular gültig ist, regelt die Frist nicht.

Für die gesetzliche Krankenversicherung gibt es keine bundeseinheitliche Frist zwischen Ausstellung und erster Übungsstunde. Ob Ihre Kasse eine eigene Frist festlegt, erfahren Sie nur bei Ihrer Kasse. Auf diese Auskunft können Sie sich eher verlassen als auf eine Faustregel aus dem Internet.

Fest steht dagegen, dass der bewilligte Zeitraum läuft, sobald er begonnen hat. Nach Ziffer 15.2 dürfen bewilligte Übungsstunden, an denen Sie nicht teilgenommen haben, grundsätzlich nicht auf einen späteren Zeitraum übertragen werden. Fangen Sie mit den 50 Einheiten erst im 17. Monat ernsthaft an, verfallen alle, die Sie bis zum Ende nicht mehr schaffen.

Was nach der Ausstellung passiert

Den Grundsatz regelt Ziffer 15.1. Rehabilitationssport und Funktionstraining muss der Rehabilitationsträger vor dem Beginn bewilligen, und das gilt auch für Folgeverordnungen. Die Vordruckerläuterungen der KBV sagen es aus Sicht der Arztpraxis ebenso. Die Genehmigung ist vor dem Beginn einzuholen, und zwar von der oder dem Versicherten. Wie Sie den Antrag einreichen und was Sie von der Kasse zurückbekommen, lesen Sie im Beitrag zum Antrag bei der Krankenkasse.

Von diesem Grundsatz gibt es regionale Ausnahmen. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat ihre Mitglieder am 5. Juni 2024 informiert, dass die AOK Bayern ab dem 1. Januar 2024 auf die Genehmigung von Muster-56-Vordrucken verzichtet, zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2025. Versicherte konnten sich mit dem Blatt direkt an eine anerkannte Gruppe wenden. Ob diese Befristung verlängert wurde und ob Ihre Kasse ähnlich vorgeht, klären Sie bei Ihrer Kasse und nicht in der Arztpraxis.

Was Sie nichts kosten darf

Für die Teilnahme selbst darf niemand Geld von Ihnen verlangen. Ziffer 16.5 der Rahmenvereinbarung verweist auf § 31 SGB I. Danach ist es unzulässig, neben der Vergütung des Rehabilitationsträgers Zuzahlungen, Eigenbeteiligungen oder Vorauszahlungen von Teilnehmenden zu fordern. Abweichende Vereinbarungen sind nach § 32 SGB I ebenfalls unwirksam. Solange Ihre Verordnung läuft, darf eine Mitgliedschaft im Verein keine Bedingung für die Teilnahme sein. Zusatzleistungen, die Sie freiwillig und mit Wissen um die Kosten dazubuchen, sind davon nicht betroffen.

Wenn der Zeitraum endet

Läuft der bewilligte Zeitraum aus oder sind die Einheiten aufgebraucht, ist eine Folgeverordnung möglich. Die Praxis kreuzt sie auf demselben Vordruck an und begründet sie im Freitextfeld. Dort muss stehen, warum Sie das Übungsprogramm noch nicht oder noch nicht dauerhaft in eigener Verantwortung durchführen können. Danach beginnt der Weg von vorn, auch die Bewilligung vor dem ersten Termin ist wieder nötig. Sprechen Sie Ihre Arztpraxis deshalb rechtzeitig vor der letzten Übungseinheit an. Sonst entsteht eine Lücke im Training, die sich nachträglich nicht mehr schließen lässt.

Häufige Fragen

Wie heißt das Formular für Rehasport richtig?

Amtlich heißt es Muster 56 und trägt die Überschrift „Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport / für Funktionstraining“. Die im Alltag gebräuchlichen Bezeichnungen „Rehasport-Verordnung“, „Formular 56“ und „Rehasport-Rezept“ meinen dasselbe Blatt. Die aktuelle Fassung des Vordrucks gilt seit dem 1. Januar 2023.

Wie lange ist eine Rehasport-Verordnung gültig?

Die Rahmenvereinbarung der BAR in der seit 1. Januar 2022 geltenden Fassung nennt kein allgemeines Verfallsdatum für die ärztliche Verordnung. Sie gilt für den Zeitraum, den die Ärztin oder der Arzt für notwendig hält, in der gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen der dort genannten Richtwerte. Oft heißt es, der Rehasport müsse binnen drei Monaten oder zwölf Wochen nach Ausstellung beginnen. Das steht weder in der Rahmenvereinbarung noch in den Vordruckerläuterungen der KBV, und eine bundeseinheitliche Frist dafür gibt es nicht. Ob Ihre Krankenkasse eine eigene Frist ansetzt, erfahren Sie nur dort.

Was muss der Arzt auf dem Muster 56 eintragen?

Nach Ziffer 14.2 der Rahmenvereinbarung muss die Praxis auf dem Vordruck eintragen: die Diagnose nach ICD-10-GM und gegebenenfalls Nebendiagnosen, die Gründe und Ziele der Maßnahme samt Angaben zu Funktionseinschränkungen und Belastbarkeit, die Dauer sowie eine Empfehlung für die geeignete Sportart oder Trainingsart. Bei einer Folgeverordnung kommt die Begründung dazu, warum Sie die Übungen noch nicht selbstständig durchführen können. Außerdem kreuzt sie an, wie viele Übungsstunden pro Woche stattfinden sollen: eine oder zwei, mit Begründung höchstens drei.

Muss die Krankenkasse den Rehasport vor Beginn genehmigen?

Grundsätzlich ja. Nach Ziffer 15.1 der Rahmenvereinbarung sind Rehabilitationssport und Funktionstraining vor dem Beginn durch den Rehabilitationsträger zu bewilligen, und das gilt auch für Folgeverordnungen. Einzelne Krankenkassen haben regional auf die Genehmigung verzichtet, die AOK Bayern zum Beispiel ab dem 1. Januar 2024, zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2025. Ob Ihre Kasse so vorgeht, erfahren Sie nur bei Ihrer Kasse.

Kostet Rehasport eine Zuzahlung?

Nein. Nach Ziffer 16.5 der Rahmenvereinbarung ist es nach § 31 SGB I unzulässig, neben der Vergütung des Rehabilitationsträgers Zuzahlungen, Eigenbeteiligungen oder Vorauszahlungen von Teilnehmenden zu fordern. Auch eine Vereinsmitgliedschaft darf für die Teilnahme nicht verlangt werden. Zusatzleistungen, die Sie freiwillig und ausdrücklich gegen Bezahlung buchen, sind davon nicht betroffen.

Was passiert mit Übungseinheiten, die ich im Bewilligungszeitraum nicht genutzt habe?

Sie verfallen. Ziffer 15.2 der Rahmenvereinbarung schließt es grundsätzlich aus, bewilligte Übungsveranstaltungen auf einen späteren Zeitraum zu übertragen, wenn sie im bewilligten Zeitraum nicht in Anspruch genommen wurden. Wenn Sie den Rehasport fortsetzen möchten, brauchen Sie eine Folgeverordnung mit Begründung und in aller Regel wieder die Bewilligung der Kasse vor dem Beginn.

Quellen

  1. Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining · Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) · In Kraft seit 1. Januar 2022
  2. Vordruckerläuterungen zu Muster 56 · Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Fassung 3. Januar 2023
  3. § 64 SGB IX – Ergänzende Leistungen · Bundesministerium der Justiz / juris · Abgerufen Juli 2026
  4. Verordnung Aktuell: Rehabilitationssport und Funktionstraining verordnen · Kassenärztliche Vereinigung Bayerns · Stand 5. Juni 2024
  5. § 43 SGB V – Ergänzende Leistungen zur Rehabilitation · Bundesministerium der Justiz / juris · Abgerufen Juli 2026
  6. Rehabilitationssport richtig verordnen · Deutscher Behindertensportverband (DBS) · Abgerufen Juli 2026

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