Für die Arbeit als Übungsleiterin oder Übungsleiter im Rehabilitationssport gibt es keinen Tarifvertrag und keine bundesweit veröffentlichte Vergütungstabelle. Das liegt am Regelwerk selbst. Ziffer 16.1 der Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining in der Fassung Januar 2022 überlässt die Vergütung Verträgen zwischen den Bundes- und Landesorganisationen der Gruppenträger und den Rehabilitationsträgern und erlaubt ausdrücklich Pauschalen. Eine Spanne, die für Berlin, Bayern und jeden Kostenträger gleichermaßen stimmt, kann deshalb niemand belegen. Nachrechnen kannst du aber die Kette, an deren Ende dein Honorar oder dein Gehaltsanteil steht.
Zwei Geldflüsse, die regelmäßig verwechselt werden
Die Beträge, die zu diesem Thema kursieren, stammen fast immer aus dem ersten von zwei getrennten Vorgängen.
Im ersten Vorgang zahlt der Rehabilitationsträger an den Träger der Rehasportgruppe. Nach Ziffer 17.1 der Rahmenvereinbarung rechnet der Rehabilitationsträger grundsätzlich mit dem Gruppenträger ab und nicht mit der Person, die die Gruppe anleitet. Der Träger darf auch Dritte mit der Abrechnung beauftragen, etwa im maschinellen Verfahren nach § 302 SGB V.
Im zweiten Vorgang bezahlt der Gruppenträger – ein Verein, eine Praxis, ein Reha-Zentrum – die Übungsleitung. Diese Vereinbarung ist frei verhandelbar und nirgends veröffentlicht. Wer einen Satz aus dem ersten Vorgang liest und ihn für sein Stundenhonorar hält, rechnet mit dem Umsatz eines anderen.
Die einzige veröffentlichte Referenz stammt von der Rentenversicherung
Für die gesetzlichen Krankenkassen ist kein Vergütungssatz veröffentlicht. Vollständig einsehbar sind nur die Vergütungssätze der Deutschen Rentenversicherung Bund. Sie gelten ausschließlich für Leistungen der Rentenversicherung und taugen nicht als Maßstab für einen Kassenvertrag. Als Größenordnung sind sie trotzdem das Einzige, worauf man sich stützen kann.
Ab 1. Januar 2026 zahlt die DRV Bund je Übungsveranstaltung und teilnehmendem anspruchsberechtigtem Versicherten (Stand Juli 2026):
- allgemeiner Rehabilitationssport: 7,24 Euro
- Rehabilitationssport im Wasser: 9,71 Euro
- Rehabilitationssport für Kinder: 10,74 Euro
- Herzsport: 11,27 Euro
- Funktionstraining, Trockengymnastik: 5,91 Euro
- Funktionstraining, Warmwassergymnastik: 8,72 Euro
Gezahlt wird je Veranstaltung und je teilnehmender Person. Wer nicht kommt, wird nicht abgerechnet. Ziffer 17.2 der Rahmenvereinbarung verlangt für jede einzelne Übungsveranstaltung einen Teilnahmenachweis mit Unterschrift, vertraglich kann das anders geregelt werden.
Was eine Gruppenstunde einbringt
Mit diesen Sätzen lässt sich hochrechnen. Nach Ziffer 9.1 der Rahmenvereinbarung dürfen im Rehabilitationssport grundsätzlich höchstens 15 Personen je Übungsleiterin oder Übungsleiter teilnehmen. Bei Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins sind es zwölf. In Herzgruppen legt die Herzgruppenärztin oder der Herzgruppenarzt die Zahl fest, höchstens 20, in Herzinsuffizienzgruppen sind es zwölf. In Gruppen für Menschen mit Blindheit, Doppelamputation, Hirnverletzung oder schweren Lähmungen sollen es nicht mehr als sieben sein. Eine Übungsveranstaltung soll nach Ziffer 9.3 mindestens 45 Minuten dauern, in Herzgruppen mindestens 60 Minuten. Vorgesehen sind bis zu zwei Veranstaltungen pro Woche, mit besonderer Begründung höchstens drei.
Mit dem Satz der Rentenversicherung für den allgemeinen Rehabilitationssport bringt eine volle Gruppe 108,60 Euro für 45 Minuten (15 × 7,24 Euro). Bei zehn Anwesenden sind es 72,40 Euro, bei acht 57,92 Euro. Im Herzsport kommen bei 15 Teilnehmenden rechnerisch 169,05 Euro zusammen. Davon muss der Träger allerdings auch die Ärztin oder den Arzt bezahlen, denn die Rahmenvereinbarung schreibt für Herzgruppen deren ständige persönliche Anwesenheit vor.
Ob sich eine Gruppe trägt, hängt deshalb weniger an der Höhe des Satzes als an der Auslastung. Eine halb besetzte Gruppe macht dieselbe Arbeit wie eine volle und bringt die Hälfte ein.
Was von dieser Summe übrig bleibt
Der Betrag je Teilnehmer geht nicht vollständig an die Übungsleitung. Nach der Rahmenvereinbarung muss der Träger aus derselben Vergütung weitere Posten bezahlen. Nach Ziffer 16.3 stellt die Gruppe die notwendigen Sport- und Trainingsgeräte selbst, und die Kosten für Anschaffung oder Benutzung sind mit der Vergütung nach Ziffer 16.1 abgegolten. Ziffer 16.2 verpflichtet den Träger zu einer pauschalen Haftpflichtversicherung und zu einer Unfallversicherung für die Teilnehmenden. Dazu kommen der Raum, die Verwaltung der Verordnungen und Genehmigungen, die Abrechnung und die Stunden, in denen eine Gruppe zu klein besetzt ist.
Welcher Anteil am Ende bei der Übungsleitung ankommt, ist in keiner belastbaren Quelle veröffentlicht, weder als Prozentsatz noch als Spanne. Wer hier eine Zahl nennt, denkt sie sich aus. Verhandeln kannst du über Größen, die du selbst prüfen kannst: wie voll die Gruppen sind, ob mehrere Gruppen direkt hintereinander im selben Raum laufen, welche Gruppenart du leitest und wer die Verwaltung übernimmt.
Drei Formen, in denen bezahlt wird
Festanstellung
In Praxen und Reha-Zentren ist das der übliche Fall. Der Rehasport gehört zu einer Stelle, und die Vergütung steckt im Monatsgehalt. Die Untergrenze ist der gesetzliche Mindestlohn. Er liegt nach der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro brutto je Zeitstunde und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Vorbereitung und Dokumentation sind Arbeitszeit, das Einsammeln der Teilnahmenachweise ebenso. Rechne diese Zeiten mit, wenn du ein Stundenmodell vergleichst.
Honorarvertrag
Hier stellt die Übungsleitung jede Übungsveranstaltung in Rechnung. Der Stundensatz liegt dabei in der Regel höher, weil er Sozialversicherung, Ausfallzeiten und Urlaub abdecken muss. Ob jemand sozialversicherungsrechtlich selbstständig ist, hängt aber nicht davon ab, wie der Vertrag heißt. Nach § 7a SGB IV können die Beteiligten bei der Deutschen Rentenversicherung Bund klären lassen, ob eine Beschäftigung oder eine selbstständige Tätigkeit vorliegt. Die Rentenversicherung entscheidet nach einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls. Feste Zeiten, gestellte Räume und Vorgaben zur Durchführung sprechen dafür, dass jemand in den Betrieb eingegliedert ist.
Übungsleiterpauschale nach § 3 Nummer 26 EStG
An diesem Punkt irren die meisten Darstellungen. Der Freibetrag nach § 3 Nummer 26 EStG beträgt ab 2026 3.300 Euro im Jahr, bis einschließlich 2025 waren es 3.000 Euro. Angehoben hat ihn das Steueränderungsgesetz 2025 zum 1. Januar 2026. Er gilt nur, wenn zwei Voraussetzungen zusammen erfüllt sind.
Die erste betrifft den Auftraggeber. Begünstigt ist nur eine Tätigkeit im Dienst oder Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts oder einer Einrichtung nach § 5 Absatz 1 Nummer 9 KStG. Gemeint ist eine Körperschaft, die nach Satzung und tatsächlicher Geschäftsführung ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt. Das Merkblatt des Bayerischen Landesamts für Steuern nennt als Beispiel den Sportverein. Eine privatwirtschaftlich geführte Physiotherapiepraxis und ein gewerbliches Reha-Zentrum gehören zu keiner der beiden Gruppen. Dort gilt der Freibetrag nicht, auch nicht bei zwei Stunden pro Woche.
Die zweite Voraussetzung ist die Nebenberuflichkeit. Aufs Kalenderjahr gerechnet darf die Tätigkeit nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs beanspruchen. Die Finanzverwaltung sieht diese Grenze pauschal bei einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 14 Stunden als eingehalten an, das ist ein Drittel von 42 Stunden.
Im Alltag geraten zwei Punkte durcheinander. Der Freibetrag wirkt nur bei der Steuer. Er legt fest, welcher Teil der Einnahmen steuerfrei bleibt, und sagt nichts darüber, wie viel der Träger zahlt. Außerdem wird aus einer Beschäftigung durch den Freibetrag kein Ehrenamt. Vom Mindestlohn ausgenommen sind nach § 22 Absatz 3 MiLoG ehrenamtlich Tätige. Beschäftigte, deren Vergütung zufällig unter 3.300 Euro im Jahr bleibt, fallen nicht darunter.
Was das für deine Entscheidung bedeutet
Als eigene Einkommensquelle trägt die Lizenz selten. Sie hängt an vollen Gruppen und an einem Träger, der die Verträge und die Verwaltung dafür hat. Mehr bringt sie meist als Qualifikation in einer Anstellung, in der Behandlung und Gruppenanleitung im selben Vertrag stehen. Wer beides kann, lässt sich in einer Praxis besser einplanen als jemand, der nur eine der beiden Aufgaben übernimmt. Wenn du ausprobieren willst, wie sich das im Alltag anfühlt, such dir eine Stelle, in der beides zusammenkommt.
Bevor du rechnest, solltest du auch den Aufwand kennen. Was Ausbildung, Stundenumfang und Anerkennung der Lizenz verlangen, steht in Rehasport-Übungsleiter werden. Was du später regelmäßig erledigen musst, damit die Lizenz gültig bleibt, beschreibt Rehasport-Lizenz verlängern.
Wer angestellt Rehasport anleitet, wird nach Stunden bezahlt. Bei Aequilibrium in Berlin-Hellersdorf sind das 22 bis 24 Euro pro Stunde je nach Qualifikation, für Praxis, Rehasport und Funktionstraining. Die Einzelheiten stehen in der Stellenanzeige für Physiotherapeut:innen.