Wer eine Funktionstrainingsgruppe anleiten will, sucht meist nach der Voraussetzung als Übungsleiter für Funktionstraining und findet Antworten, die aus dem Rehabilitationssport stammen. Beide Leistungen stehen in derselben Rahmenvereinbarung, die Anforderungen an die Anleitung aber in getrennten Kapiteln. Für den Rehabilitationssport verlangt Ziffer 12.1 einen „besonderen Qualifikationsnachweis“, in der Praxis also eine Lizenz aus dem Sportsystem. Im Funktionstraining geht die Rahmenvereinbarung vom Heilberuf selbst aus. Für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie für Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten wird der Weg dadurch erheblich kürzer.
Maßgeblich sind zwei Dokumente. Die Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) gilt in der Fassung vom 1. Januar 2022 und regelt in Ziffer 13, wer für die Leitung grundsätzlich in Frage kommt. Welche Abschlüsse das im Einzelnen sind und wie viel Zusatzausbildung dazukommt, steht in den Qualifikationsanforderungen Leitung Funktionstraining vom 1. August 2024. Sie sind eine Anlage zur Rahmenvereinbarung und gibt es in dieser Form erst seit zwei Jahren. Vorher entschieden die anerkennenden Stellen ohne bundesweite Übersicht.
Ziffer 13 nennt Physiotherapie und Ergotherapie zuerst
Ziffer 13.1 beschreibt ein Berufsprofil und kein Zertifikat. Genannt werden vor allem Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten mit speziellen Erfahrungen und spezieller Fortbildung für rheumatische Erkrankungen und Osteoporose, einschließlich Wasser- und Atemgymnastik, und mit Kenntnissen in der psychischen und pädagogischen Führung. Sie müssen einschätzen können, wie leistungsfähig die einzelne Teilnehmerin oder der einzelne Teilnehmer ist, und die Übungen darauf abstimmen.
Ziffer 13.2 erweitert den Kreis. Die Leitung können auch andere qualifizierte Therapeutinnen und Therapeuten mit vergleichbarer therapeutischer Ausbildung übernehmen, außerdem Übungsleitende mit einer Qualifikation zur Leitung von Rehabilitationssportgruppen im Bereich Orthopädie. Nur hier zählt eine Rehasport-Lizenz für das Funktionstraining, und auch hier ist sie einer von mehreren Wegen und nicht der Regelfall.
Grundqualifikation und Zusatzausbildung sind zwei getrennte Nachweise
Nach Ziffer 13.4 musst du zusätzlich zur Grundqualifikation an einer Fort- oder Zusatzausbildung für das Funktionstraining teilnehmen, die die Rehabilitationsträger anerkannt haben. Wie umfangreich sie ist, richtet sich in der Übersicht von 2024 nach der Grundqualifikation:
- Mindestens 15 Lerneinheiten (Basis-Lehrgang): Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Ergotherapeutinnen und -therapeuten, Bachelor Physiotherapie und Bachelor Ergotherapie mit staatlicher Berufsanerkennung, Diplom-Sportwissenschaft und Master Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Prävention oder Rehabilitation, das DVGS-Zertifikat Orthopädie/
Rheumatologie/ Traumatologie und die DVGS-Lizenz Osteoporose. - 30 Lerneinheiten (Basis-Lehrgang plus 15 weitere): Gymnastiklehrkräfte der genannten Schwerpunkte, Fachärztinnen und Fachärzte mit Zusatzbezeichnung Rehabilitationswesen, Bachelor Sportwissenschaft, Diplomsportlehrkräfte, Sportlehrkräfte mit zweitem Staatsexamen sowie die Übungsleiter-B-Lizenzen „Sport in der Rehabilitation“ mit Profil Orthopädie, Rheuma, Osteoporose oder Wirbelsäulenerkrankungen.
Für Fachärztinnen und Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin, für Fachärztinnen und Fachärzte mit Zusatzbezeichnung Sportmedizin und für weitere sport- und bewegungswissenschaftliche Abschlüsse sieht die Tabelle 30 Lerneinheiten vor, im Einzelfall auch nur 15. Das wird am jeweiligen Curriculum geprüft.
Der Inhalt des Basis-Lehrgangs ist vorgegeben. Er umfasst je eine Lerneinheit zu Struktur und Organisation, zu allgemeinen, biologischen, trainingswissenschaftlichen, sportpädagogischen und verhaltenswissenschaftlichen Grundlagen, dazu drei Lerneinheiten medizinische Grundlagen und sechs Lerneinheiten Praxis zu Trocken- und Wassergymnastik. Diese sechs Praxis-Lerneinheiten finden ausschließlich in Präsenz statt. Ein reines Online-Format erfüllt die Anforderung deshalb nicht.
Die Deutsche Rheuma-Liga, einer der maßgeblichen Träger von Funktionstrainingsgruppen, bietet eine anerkannte Zusatzausbildung nach diesem Muster an. Nach Angaben des Verbands umfasst sie je nach Grundqualifikation 15 Lerneinheiten als Basis-Lehrgang oder 34 Lerneinheiten als Basis- und Aufbaulehrgang, aufgeteilt auf Selbstlern-, Live-Online- und Präsenzmodule. Außerdem verlangt die Rheuma-Liga eine gültige Erste-Hilfe-Bescheinigung, die nicht älter als zwei Jahre ist. Diese Erste-Hilfe-Vorgabe stammt vom Anbieter, die Rahmenvereinbarung selbst kennt sie für das Funktionstraining nicht.
Wie viel weniger verlangt wird als bei der Übungsleiter-B-Lizenz
Beim Rehabilitationssport sieht das anders aus. In den Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport vom 1. Januar 2020 trägt die Berufsausbildung Physiotherapeut/-in in den Bereichen Orthopädie, Innere Medizin, Herzsport und Neurologie das Kürzel „N*“. Sie entspricht also der erforderlichen Qualifikation nicht, kann aber unter erleichterten Voraussetzungen anerkannt werden. Verlangt werden Sonderlehrgänge für die Grundlagen mit mindestens 36 Lerneinheiten und zusätzlich mindestens 16 Lerneinheiten für Orthopädie, 24 für Innere Medizin, 36 für Herzgruppen und 16 für Neurologie. Für eine orthopädische Rehasportgruppe kommen so mindestens 52 Lerneinheiten zusammen. Wie die beiden Lizenzstufen des Deutschen Behindertensportverbands aufgebaut sind, liest du im Artikel Rehasport-Übungsleiter werden.
Im Funktionstraining steht dieselbe Berufsausbildung ohne Einschränkung in der Tabelle, und es bleibt bei 15 Lerneinheiten. Wer dagegen die Übungsleiter-B-Lizenz „Sport in der Rehabilitation“ mit Profil Orthopädie mitbringt, braucht für das Funktionstraining 30 Lerneinheiten, doppelt so viel wie eine Physiotherapeutin ohne jede Sportlizenz. Die Sportlizenz ist auf den Rehabilitationssport zugeschnitten, der Heilberuf auf das Funktionstraining. Welche der beiden Leistungen im Einzelfall verordnet wird und warum, erklärt der Beitrag zum Unterschied zwischen Rehasport und Funktionstraining.
Verbindlich seit dem 1. Juli 2026
Die Qualifikationsanforderungen traten am 1. August 2024 in Kraft und gaben für die Umsetzung zwölf Monate Übergangszeit, deshalb steht im Dokument selbst der 1. August 2025. Dieses Datum gilt nicht mehr. Die Rehabilitationsträger haben die Frist trägerübergreifend bis zum 30. Juni 2026 verlängert, wie der Verband der Ersatzkassen mitteilt. Verbindlich umzusetzen sind die Anforderungen seit dem 1. Juli 2026. Wer nur das PDF liest, nennt also eine Frist, die um elf Monate danebenliegt.
Diese Verlängerung betrifft ausschließlich die Leitung des Funktionstrainings. Für Übungsleiterinnen und Übungsleiter im Rehabilitationssport gilt sie nicht, deren Anforderungen sind am 1. Januar 2020 in Kraft getreten und haben die Fassung von 2012 abgelöst.
Für Gruppenleitungen, die schon tätig sind, gibt es einen Bestandsschutz. Wer die Funktion bisher ohne eine der aufgeführten Grundqualifikationen ausübt, darf weitermachen, wenn die Anerkennung als Gruppenleitung vor dem 1. August 2024 vorlag. Die Pflicht zur Zusatzausbildung und zur Aufrechterhaltung der Qualifikation bleibt davon unberührt. Den Basis-Lehrgang müssen also auch diese Leitungen absolvieren.
Einzelfallprüfung, Studierende, Kinder- und Jugendgruppen
Abschlüsse, die in der Übersicht fehlen, sind damit nicht ausgeschlossen. Kommt eine Grundqualifikation nach Ziffer 13.2 in Betracht, können die anerkennenden Stellen den Einzelfall prüfen. Sie orientieren sich dabei an der Übersicht und an den Curricula der dort berücksichtigten Qualifikationen und müssen die Prüfung nachvollziehbar dokumentieren.
Studierende und Auszubildende der gelisteten Studien- und Ausbildungsgänge können nach Einzelfallprüfung zur Zusatzausbildung zugelassen werden, sobald sie zwei Drittel der regulären Ausbildungszeit hinter sich haben. Das Zertifikat und damit die Berechtigung zur Leitung bekommen sie aber erst mit Abschluss der Grundqualifikation.
Wer Gruppen mit Kindern und Jugendlichen leitet, braucht nach Ziffer 13.6 der Rahmenvereinbarung zusätzlich die erforderlichen psychologisch-pädagogischen Fähigkeiten und muss alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.
Wie viele Teilnehmende eine Leitung betreuen darf, regelt Ziffer 10.1. Es sind höchstens 15 je Therapeutin oder Therapeut beziehungsweise je Übungsleiterin oder Übungsleiter. In Ausnahmefällen darf diese Zahl geringfügig überschritten werden, das muss gegenüber den Rehabilitationsträgern begründet werden. Wird eine Gruppe größer, braucht sie eine zweite qualifizierte Leitung, denn die Zahl gilt je anleitender Person und nicht je Übungsveranstaltung. Eine Übungsveranstaltung soll bei Trockengymnastik mindestens 30 Minuten dauern, bei Wassergymnastik mindestens 20 Minuten. Angesetzt werden bis zu zwei, mit besonderer Begründung höchstens drei Veranstaltungen pro Woche.
Gültigkeit und Fortbildung
Die Bescheinigungen aus dem Anerkennungsverfahren sind auf vier Jahre befristet. In dieser Zeit musst du fachbezogene Fortbildungen im Umfang von mindestens 10 Lerneinheiten nachweisen. Im Rehabilitationssport gelten ebenfalls vier Jahre, dort aber mit 15 Lerneinheiten Fortbildung und mit einer verkürzten Frist von zwei Jahren für Herzgruppenleitungen.
Bei Aequilibrium in Berlin-Hellersdorf bieten wir Funktionstraining im eigenen Zentrum an. Ob eine bestimmte Qualifikation anerkannt wird, beantwortet die anerkennende Stelle, die für die jeweilige Gruppe zuständig ist. Nach Ziffer 8 der Rahmenvereinbarung können die Rehabilitationsträger die Anerkennung vertraglich auf Dritte oder auf Arbeitsgemeinschaften auf Landesebene übertragen haben.
Funktionstraining und Rehasport gehören bei Aequilibrium in Berlin-Hellersdorf zum Arbeitsalltag der Physiotherapeut:innen. Die Praxis sucht Verstärkung, 22 bis 24 Euro pro Stunde je nach Qualifikation. Alles Weitere in der Stellenanzeige.