Rehabilitationssport ist eine Leistung, die im Sozialgesetzbuch geregelt ist, und hat deshalb keinen Preis, den Sie selbst bezahlen. Wenn Sie eine ärztliche Verordnung und die Bewilligung Ihrer Krankenkasse haben, zahlen Sie für die Übungsstunden nichts. Es fällt weder eine Zuzahlung noch eine Eigenbeteiligung oder Vorauszahlung an. Bei einem Rezept über Krankengymnastik oder Massage ist das anders, dort zahlen Erwachsene einen gesetzlichen Anteil dazu. Der Unterschied hat einen rechtlichen Grund, und es gibt einige Fälle, in denen Sie trotzdem selbst zahlen.
Grundlage für alles Weitere ist die Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation. Maßgeblich ist die Fassung vom Januar 2022. Sie ist nach ihrer Ziffer 19.1 am 1. Januar 2022 in Kraft getreten und hat die alte Vereinbarung vom 1. Oktober 2003 in der Fassung vom 1. Januar 2011 abgelöst. Beruft sich ein Merkblatt, das Sie in der Hand halten, auf die Fassung von 2011, gibt es den Stand der alten Vereinbarung wieder.
Wer an wen zahlt
Sie selbst bekommen keine Rechnung und müssen nichts vorstrecken. Nach Ziffer 17.1 der Rahmenvereinbarung rechnet der Rehabilitationsträger direkt mit dem Träger der Rehabilitationssportgruppe ab. Rehabilitationsträger heißt hier der Kostenträger, bei den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern also die gesetzliche Krankenkasse. Teilweise übernehmen beauftragte Dritte die Abrechnung, und zwar elektronisch im maschinellen Abrechnungsverfahren nach § 302 SGB V. Die Übungsstunden finden in der Einrichtung statt, die die Gruppe trägt. Bei uns ist das unser Rehabilitationssportzentrum in Hellersdorf.
Zur Abrechnung tragen Sie mit Ihrer Unterschrift bei. Ziffer 17.2 verlangt, dass die teilnehmende Person jede einzelne Übungsstunde mit ihrer Unterschrift bestätigt. Auf dieser Liste beruht die Vergütung, deshalb geht sie in jeder Stunde herum.
Warum keine Zuzahlung anfällt
Welche Zuzahlungen es in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt, regelt § 61 SGB V, sortiert nach Leistungsarten. Für Arzneimittel sind es 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Im Krankenhaus zahlen Sie bei stationärer Behandlung 10 Euro je Kalendertag. Heilmittel, häusliche Krankenpflege und außerklinische Intensivpflege kosten Sie 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Verordnung. Heilmittel sind ärztlich verordnete Behandlungen wie Krankengymnastik, Manuelle Lymphdrainage und Massagen, sie fallen unter diese letzte Gruppe.
Rehabilitationssport passt in keine dieser Gruppen. Er ist eine ergänzende Leistung nach § 64 Absatz 1 Nummer 3 SGB IX, das Funktionstraining nach Nummer 4 derselben Vorschrift. Ziffer 1.1 der Rahmenvereinbarung nennt dazu für jeden zuständigen Träger die passende Vorschrift, für die gesetzlichen Krankenkassen ist das § 43 SGB V. In der Aufzählung des § 61 SGB V kommt diese Leistungsart nicht vor, und ohne gesetzliche Grundlage darf keine Zuzahlung verlangt werden.
So steht es auch in Ziffer 16.5 der Rahmenvereinbarung. Nach § 31 SGB I ist es nicht zulässig, neben der Vergütung des Rehabilitationsträgers Zuzahlungen, Eigenbeteiligungen oder Vorauszahlungen von den Teilnehmenden zu fordern. § 31 SGB I heißt „Vorbehalt des Gesetzes“. Er bedeutet, dass Rechte und Pflichten im Sozialrecht nur entstehen dürfen, soweit ein Gesetz es vorschreibt oder zulässt. Ziffer 16.5 verweist außerdem auf § 32 SGB I. Danach sind private Vereinbarungen nichtig, also von vornherein unwirksam, wenn sie zum Nachteil der oder des Berechtigten von Vorschriften des Sozialgesetzbuchs abweichen. Unterschreiben Sie ein Formular, mit dem Sie einen Eigenanteil für die verordneten Einheiten zusagen, hätte das also keine Wirkung.
Was die Kasse je Übungseinheit zahlt
Einen bundesweit gültigen Betrag je Übungseinheit gibt es nicht. Ziffer 16.1 der Rahmenvereinbarung überlässt die Vergütung Verträgen zwischen den Bundes- und Landesorganisationen der Gruppenträger und den Rehabilitationsträgern. Pauschalen sind dabei ausdrücklich erlaubt. Wie hoch der Satz ist, hängt also vom Kostenträger ab und von dem Vertrag, der für die jeweilige Einrichtung gilt. Eine glatte Zahl „pro Einheit“ aus dem Internet stammt in aller Regel aus einem einzelnen Landesvertrag oder von einem Anbieter.
Vollständig veröffentlicht hat seine Sätze ein Kostenträger, die Deutsche Rentenversicherung Bund. Ab dem 1. Januar 2026 zahlt sie je Übungseinheit 7,24 Euro im allgemeinen Rehabilitationssport, 11,27 Euro im Herzsport, 9,71 Euro beim Rehabilitationssport im Wasser und 10,74 Euro beim Rehabilitationssport für Kinder. Im Funktionstraining sind es 5,91 Euro für Trockengymnastik und 8,72 Euro für Warmwassergymnastik (Stand Juli 2026). Diese Beträge gelten nur für die Rentenversicherung. Was Ihre Krankenkasse zahlt, steht in deren Vertrag mit der Einrichtung. Die Zahlen zeigen trotzdem, um welche Größenordnung es geht, und dass dieses Geld an die Einrichtung geht.
Die vier Fälle, in denen Sie selbst zahlen
Die bewilligten Einheiten sind aufgebraucht
In der gesetzlichen Krankenversicherung umfasst der Rehabilitationssport nach Ziffer 4.4.1 in der Regel 50 Übungseinheiten in einem Zeitraum von 18 Monaten. Bei schweren Beeinträchtigungen können 120 Übungseinheiten in 36 Monaten bewilligt werden, etwa bei infantiler Zerebralparese (einer frühkindlichen Hirnschädigung mit Bewegungsstörungen), bei Querschnittlähmung oder nach Doppelamputationen. Für Herzgruppen gelten 90 Einheiten in 24 Monaten, für Kinder und Jugendliche mit Herzerkrankungen 120 Einheiten in 24 Monaten (Ziffer 4.4.2). Funktionstraining läuft in der Regel zwölf Monate. Bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen, schweren Polyarthrosen (Arthrose in mehreren Gelenken), Kollagenosen (entzündlichen Erkrankungen des Bindegewebes), Fibromyalgie-Syndromen und Osteoporose sind es 24 Monate (Ziffer 4.4.3).
Laut Ziffer 4.1 sind das alles Richtwerte. Nach einer Prüfung im Einzelfall kann die Kasse davon abweichen. Zwei Grenzen gelten trotzdem fest. Eine einzelne Verordnung umfasst nach Ziffer 14.3 im Allgemeinen bis zu zwei Übungsstunden je Woche, mit besonderer Begründung höchstens drei. Und Einheiten, die Sie nicht wahrnehmen, verfallen. Sie dürfen nach Ziffer 15.2 grundsätzlich nicht auf einen späteren Zeitraum übertragen werden.
Was danach kommt, sagt die Vereinbarung selbst. Nach Ziffer 2.2 soll der Rehabilitationssport Sie in die Lage versetzen, langfristig selbstständig weiterzutrainieren, zum Beispiel in der bisherigen Gruppe oder im Verein „auf eigene Kosten“. Dass die Bewilligung irgendwann endet, ist also von Anfang an so vorgesehen.
Sie beginnen vor der Bewilligung
Ziffer 15.1 ist eindeutig. Rehabilitationssport und Funktionstraining muss der Rehabilitationsträger vor dem Beginn bewilligen, und das gilt auch für jede weitere Verordnung. Fangen Sie ohne diese Bewilligung an, trainieren Sie auf eigenes Risiko, denn für Einheiten vor der Genehmigung kann die Einrichtung nichts abrechnen. Welche Angaben auf der Verordnung stehen müssen, lesen Sie im Beitrag zum Verordnungsformular Muster 56. Wie Sie die Verordnung danach bei Ihrer Kasse einreichen, steht im Beitrag zum Antrag bei der Krankenkasse.
Die Einrichtung hat keinen Vertrag mit Ihrer Kasse
Die Techniker Krankenkasse sagt ausdrücklich, dass die Leistung für Sie kostenfrei ist, wenn Sie zu einem Anbieter gehen, mit dem sie einen Vertrag hat: „Für Sie entsteht kein Eigenanteil.“ Ob ein solcher Vertrag besteht, ist bei der Wahl einer Gruppe im Alltag der wichtigste Punkt. Nach Ziffer 15.3 soll der Rehabilitationssport ohnehin in der Gruppe stattfinden, die Ihrem Wohn- oder Arbeitsort am nächsten liegt. Berechtigten Wünschen ist dabei zu entsprechen.
Sie sind privat krankenversichert
Die Rahmenvereinbarung haben die gesetzlichen Sozialleistungsträger geschlossen. Das sind die gesetzlichen Krankenkassen, die Träger der Unfall- und der Rentenversicherung, die Alterssicherung der Landwirte und die Träger der Kriegsopferversorgung. Dazu kommen die maßgeblichen Sport- und Selbsthilfeverbände und die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Private Krankenversicherungen gehören nicht dazu. Für sie gilt § 192 Absatz 1 VVG. Danach erstattet der Versicherer die Kosten für medizinisch notwendige Heilbehandlung „im vereinbarten Umfang“, es kommt also allein auf Ihren Tarif an. Klären Sie die Erstattung vor der ersten Stunde schriftlich mit Ihrer Versicherung.
Vereinsbeitrag, Sportkleidung, Zusatzangebote
Solange Ihre Verordnung läuft, müssen Sie für die Teilnahme nicht Mitglied in der Gruppe oder im Verein werden. Die Rehabilitationsträger empfehlen eine Mitgliedschaft nur auf freiwilliger Basis (Ziffer 16.4). Freiwillige Mitgliedsbeiträge sind möglich, die Rehabilitationsträger können sie aber nicht übernehmen. Ebenso dürfen Sie freiwillig kostenpflichtige Zusatzleistungen der Einrichtung nutzen. Das alles muss freiwillig bleiben. Wäre eine Zahlung Bedingung dafür, dass Sie an der verordneten Stunde teilnehmen dürfen, fiele sie unter das Verbot aus Ziffer 16.5.
Ihre persönliche Sportkleidung und Ausrüstung zahlen Sie selbst. Ziffer 16.3 nennt als Beispiele Trainingsanzug, Sportschuhe und Badebekleidung. Die Sport- und Trainingsgeräte, die für die Übungen nötig sind, stellt dagegen die Gruppe. Anschaffung und Benutzung sind mit der Vergütung nach Ziffer 16.1 bezahlt.
Was die Kassen unterschiedlich handhaben
Bei der Zuzahlung haben die Kassen keinen Spielraum. Das Verbot folgt aus § 31 SGB I, und § 32 SGB I schließt abweichende Vereinbarungen aus. Unterschiedlich ist, wie deutlich die Kassen das sagen. Die TK schreibt auf ihre Leistungsseite, dass kein Eigenanteil anfällt. Die bundesweite Seite des AOK-Systems nennt zwar den Umfang von 50 Übungseinheiten in 18 Monaten und zwölf Monate Funktionstraining. Zur Kostenbeteiligung sagt sie aber nichts und verweist für die Leistungen auf die regional zuständige AOK.
Beim Umfang dagegen haben die Kassen Spielraum. Weil Ziffer 4.1 ausdrücklich Richtwerte festlegt, entscheidet die Kasse im Einzelfall, wie viele Einheiten sie bewilligt. Bewilligt sie weniger als 50 Einheiten, wird nach Ziffer 4.4.1 auch der Zeitraum entsprechend kürzer. Klären Sie deshalb vor der ersten Übungsstunde zwei Dinge: ob die Einrichtung mit Ihrer Kasse abrechnet und wie viele Einheiten auf Ihrem Bewilligungsschreiben stehen.