Zu Gehältern in der Physiotherapie kursieren viele Schätzungen, belegte Zahlen sind seltener. Für Berlin hält sich zudem die Erwartung, im Osten verdiene man weniger. Für diesen Beruf stimmt das nicht. Laut amtlicher Statistik liegt Berlin beim Gehalt vor allen anderen Bundesländern, auch vor Hamburg, Baden-Württemberg und Bayern.
Die amtliche Zahl
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in Berlin ein Medianentgelt von 3.848 Euro brutto im Monat aus, Datenstand 2025. Bundesweit liegt derselbe Wert bei 3.452 Euro. Der Berliner Vorsprung beträgt damit 396 Euro im Monat oder rund 11 Prozent.
Der Ländervergleich in derselben Erhebung:
| Bundesland | Medianentgelt |
|---|---|
| Berlin | 3.848 € |
| Hamburg | 3.708 € |
| Baden-Württemberg | 3.521 € |
| Hessen | 3.500 € |
| Nordrhein-Westfalen | 3.498 € |
| Bayern | 3.489 € |
| Schleswig-Holstein | 3.461 € |
| Rheinland-Pfalz | 3.442 € |
Die übrigen Länder liegen darunter, Berlin steht damit auf Platz eins von sechzehn.
Im Städtevergleich derselben Erhebung liegt unter den Städten ab 500.000 Einwohnern nur eine über dem Berliner Landeswert:
| Stadt | Medianentgelt |
|---|---|
| München | 3.876 € |
| Düsseldorf | 3.685 € |
| Köln | 3.606 € |
| Dortmund | 3.601 € |
| Essen | 3.479 € |
Das ist München, mit 28 Euro Vorsprung. Für mehrere andere Großstädte weist die Statistik keine Werte aus, weil die Fallzahl zu klein ist. Über das Gehaltsniveau dort sagt das nichts, es fehlen nur die Daten.
Warum Berlin vorn liegt, geht aus der Statistik nicht hervor, sie erfasst nur die Entgelte. Begründungen wie Klinikdichte, Nachfragedruck oder ein Hauptstadtzuschlag sind deshalb Vermutungen.
Dabei hilft es, zwei Begriffe auseinanderzuhalten. Der Median teilt die Beschäftigten in zwei gleich große Gruppen, die eine verdient mehr, die andere weniger. Das ist etwas anderes als der Durchschnitt, den einzelne Spitzenverdiener nach oben ziehen können. Die Quartile zeigen die Streuung. Bundesweit liegt das untere Viertel bei 2.928 Euro und darunter, das obere bei 4.062 Euro und darüber. Zwischen dem unteren und dem oberen Viertel liegen damit gut 1.100 Euro im Monat. Woran das im Einzelfall liegt, weist die Statistik nicht aus.
Warum in Gehaltsportalen etwas anderes steht
Wer dieselbe Frage bei den einschlägigen Gehaltsportalen stellt, bekommt für Berlin oft Werte zwischen 3.100 und 3.300 Euro genannt, teilweise mit der Einordnung, Berlin liege im unteren Drittel. Der Widerspruch erklärt sich daraus, dass diese Portale Selbstauskünfte sammeln. Wer dort sein Gehalt einträgt, tut es freiwillig, deshalb bilden die Einträge keine Zufallsstichprobe der Berufsgruppe.
Der Entgeltatlas wertet dagegen die Entgeltmeldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherung aus. Das sind Pflichtangaben für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit. Wo sich beide Quellen widersprechen, ist die amtliche Statistik die belastbarere, und im Gehaltsgespräch kannst du dich eher auf sie berufen.
Was die Zahl nicht sagt
Drei Einschränkungen solltest du kennen, damit du dir nicht zu viel ausrechnest.
Der Wert gilt für Vollzeitbeschäftigte. Teilzeit ist darin nicht enthalten, und ein anteiliger Betrag lässt sich daraus nicht sauber ableiten, weil Zuschläge und Zulagen nicht linear mitskalieren.
Er gilt für die Berufsgattung „Berufe in der Physiotherapie – komplexe Spezialistentätigkeiten”, Anforderungsniveau Spezialist. Dieselbe Gattung umfasst auch Lymphdrainage-, Bobath- und Vojta-Therapeutinnen sowie die Sportphysiotherapie. Wer ohne Zusatzqualifikation einsteigt, sollte am unteren Ende der Spanne rechnen.
Außerdem sagt er nichts über den Arbeitgeber. In den Median gehen beide Welten ein: Tarifgebundene Träger wie landeseigene und kommunale Einrichtungen zahlen nach festen Stufen mit automatischem Aufstieg nach Berufsjahren, in der freien Praxis wird verhandelt.
In Berlin spielt dieser Punkt eine größere Rolle als anderswo, weil es hier beides in großer Zahl gibt: landeseigene Klinikkonzerne und Hochschulmedizin ebenso wie viele inhabergeführte Praxen. Zwei Angebote stammen deshalb oft aus zwei verschiedenen Systemen. Im einen ist der Aufstieg festgeschrieben und der Verhandlungsspielraum klein, im anderen ist es umgekehrt. Mit dem Median lassen sich beide an derselben Zahl messen.
Frauen und Männer
Selten zitiert wird eine weitere Zahl aus derselben Erhebung. Bundesweit weist der Entgeltatlas für dieselbe Berufsgattung 3.316 Euro für Frauen und 3.648 Euro für Männer aus. Das sind 332 Euro Unterschied im Monat, knapp 4.000 Euro im Jahr, bei gleicher Berufsgattung und gleicher Bezugsgröße Vollzeit.
Auch hier zeigt die Statistik den Unterschied, ohne ihn zu erklären. Nach Berufsjahren, Zertifikaten, Unterbrechungen oder Verhandlungsverhalten unterscheidet sie nicht. Für die eigene Einordnung ist die Zahl trotzdem brauchbar, denn sie zeigt, dass der Median je nach Gruppe anders ausfällt.
Von brutto zu netto
Was netto ankommt, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten, und Seiten, die trotzdem eine nennen, lassen etwas weg. Der Betrag am Monatsende hängt an der Steuerklasse, an Kirchensteuer, an Kinderfreibeträgen und am Zusatzbeitrag der gewählten Krankenkasse. Dieser Zusatzbeitrag ist von Kasse zu Kasse verschieden, die Unterschiede betragen mehrere Zehntelprozentpunkte.
Fest steht der Rahmen. Als Arbeitnehmeranteil gehen vom Bruttolohn 9,3 Prozent in die Rentenversicherung und 1,3 Prozent in die Arbeitslosenversicherung ab (Sozialversicherungsrechengrößen 2026), dazu die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Lohnsteuer nach Tarif.
In diesem Gehaltsbereich spielen die Beitragsbemessungsgrenzen 2026 keine Rolle. Sie liegen bei 8.450 Euro monatlich in der Rentenversicherung und 5.812,50 Euro in der Krankenversicherung. Mit 3.848 Euro liegt das Berliner Medianentgelt deutlich darunter. Es werden also alle Beiträge auf den vollen Betrag erhoben, ohne Kappung und ohne Sprünge. Für eine Nettozahl brauchst du einen Rechner mit deinen eigenen Merkmalen, jede Pauschalangabe wäre geraten.
Was das für eine Bewerbung bedeutet
Einen Anspruch auf den Median hast du nicht, aber er hilft, ein Angebot einzuordnen. Liegt es bei Vollzeit und vorhandenen Zertifikaten deutlich unter 3.848 Euro, darfst du nach dem Grund fragen. Liegt es darüber, lohnt der Blick darauf, woher der Aufschlag kommt, etwa aus Tarifbindung, Zulagen, Verantwortung oder den Zertifikaten, die du mitbringst.
Wer noch am Anfang steht, findet den Weg dorthin in unserem Beitrag zur Physiotherapie-Ausbildung in Berlin; was sie kostet und was das Land inzwischen übernimmt, steht in der Übersicht zu den Ausbildungskosten. Unseren eigenen Lohn kannst du vor dem ersten Gespräch mit dem Median oben vergleichen: Er steht in der Stellenanzeige und liegt bei 22 bis 24 Euro pro Stunde je nach Qualifikation, bei 38 Wochenstunden in Vollzeit also 3.623 bis 3.952 Euro brutto im Monat.
Wie viele Stunden hinter einer Vollzeitstelle stehen und was im Takt der Praxis als Arbeitszeit zählt, steht im Beitrag zur Arbeitszeit als Physiotherapeut:in. Welche Zertifikate es gibt, wie lange sie dauern und was sie kosten, sammelt die Übersicht zur Fortbildung in der Physiotherapie.