Die Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining nennt weder einen Lehrgang noch eine Stundenzahl. In Ziffer 12.1 steht nur, dass die Übungen von Übungsleiterinnen und Übungsleitern geleitet werden, die aufgrund eines besonderen Qualifikationsnachweises die Gewähr für eine fachkundige Anleitung und Überwachung der Gruppen bieten. Was als solcher Nachweis zählt, regelt ein zweites Papier der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), die Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport. Die Rahmenvereinbarung gilt in der Fassung vom 1. Januar 2022, die Qualifikationsanforderungen gelten seit dem 1. Januar 2020. Ob deine eigene Vorbildung angerechnet wird, liest du also in den Qualifikationsanforderungen nach.
Zwei Lizenzstufen, sechs Profile
Die Ausbildung läuft über den Deutschen Behindertensportverband (DBS) und seine Landesverbände. Ausgestellt werden Lizenzen des DOSB, die im gesamten Bereich des DOSB gelten. Nach den Richtlinien für die Ausbildung im DBS, Stand 1. Januar 2025, ist die Ausbildung in Module gegliedert und wird in Lerneinheiten zu 45 Minuten gemessen.
Die erste Lizenzstufe führt zur Lizenz „Übungsleiter/-in C Breitensport für Menschen mit Behinderung”. Sie besteht aus Block 10 mit 86 Lerneinheiten und Block 20 mit 34 Lerneinheiten, zusammen 120.
Auf ihr baut die zweite Lizenzstufe auf, die Übungsleiter-B-Lizenz „Sport in der Rehabilitation”. Dafür wählst du einen Profilblock:
- Block 30 – Orthopädie: 72 Lerneinheiten
- Block 40 – Innere Medizin: 102 Lerneinheiten
- Block 50 – Sensorik: 72 Lerneinheiten
- Block 60 – Neurologie: 72 Lerneinheiten
- Block 70 – Geistige Behinderung / Intellektuelle Beeinträchtigung: 72 Lerneinheiten
- Block 80 – Psychiatrie: 72 Lerneinheiten
Zur zweiten Stufe wird zugelassen, wer das 18. Lebensjahr vollendet hat und eine gültige C-Lizenz vorlegt. Die Ausbildung für eine Lizenz muss grundsätzlich innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Hospitationen, Selbststudium und die Erste-Hilfe-Grundausbildung zählen dabei mit.
Die Lizenz gilt nur für den absolvierten Bereich
Die BAR-Übersicht ordnet jeder Qualifikation acht Spalten zu: Grundlagen, Orthopädie, Innere Medizin, Herzgruppe, Sensorik, Neurologie, geistige Behinderung, Psychiatrie. Mit der Übungsleiter-B-Lizenz „Sport in der Rehabilitation” leitest du Gruppen in den Bereichen an, deren Ausbildungsblöcke du absolviert hast. Wer das Profil Orthopädie hat, darf damit keine neurologische Gruppe übernehmen.
Daneben führt die Tabelle enger gefasste Profillizenzen auf, etwa „Sport bei Rheuma”, „Sport bei Osteoporose”, „Sport bei Wirbelsäulenerkrankungen”, „Sport in der Krebsnachsorge” und „Sport und Diabetes”. Mit ihnen darf man jeweils nur die genannten Indikationsgruppen leiten. Für Herzgruppen gibt es einen eigenen Strang, der auch über die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) führt.
Was Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten angerechnet wird
Für die Praxis ist dieser Teil der Tabelle der wichtigste. Die Berufsausbildung Physiotherapeut/-in reicht in keinem Bereich für sich allein aus. In fünf Spalten trägt sie das Kürzel „N*”. Nach der Legende der BAR ist die Anerkennung dann unter definierten, erleichterten Voraussetzungen möglich. Diese Voraussetzungen sind in Lerneinheiten angegeben. Verlangt werden Sonderlehrgänge für die Grundlagen mit mindestens 36 Lerneinheiten und für den jeweiligen Bereich mindestens
- 16 Lerneinheiten für Orthopädie,
- 24 Lerneinheiten für Innere Medizin,
- 36 Lerneinheiten für Herzgruppen,
- 16 Lerneinheiten für Neurologie.
Für das Profil Orthopädie kommst du damit auf 52 Lerneinheiten. Auf dem regulären Weg hat allein der Grundlagenblock 10 schon 86 Lerneinheiten. Für Sensorik, geistige Behinderung und Psychiatrie sieht die Tabelle keinen erleichterten Weg vor, dort steht nur ein „N”. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sind mit denselben Werten eingestuft.
In den Bemerkungen steht ein Zusatz, den man leicht überliest. Wer neben der Berufsausbildung ein Studium abgeschlossen hat, wird nach den Regeln für akademische Abschlüsse beurteilt. Außerdem heißt es in der Einleitung des Dokuments, dass erworbene Lizenzen und Qualifikationsnachweise vorrangig vor Ausbildungsberufen und Studienabschlüssen bewertet werden.
Der DBS bildet das in seinem Ausbildungsangebot ab. Seine Anerkennungsübersicht führt eigene Sonderlehrgänge für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zu den Blöcken 10, 30, 40 und 60 auf. Die Fassung, die online abrufbar ist, trägt allerdings den Dateistand 2017, die Ausbildungsrichtlinien dagegen den Stand 1. Januar 2025. Verlassen kannst du dich deshalb nur auf den Verfahrensweg: Nach Ziffer 9.4 der DBS-Richtlinien ist jede Verkürzung eine Einzelfallentscheidung auf Antrag, und darüber entscheidet der zuständige Landes- oder Fachverband.
Bei Aequilibrium in Berlin-Hellersdorf führen wir Rehabilitationssport und Funktionstraining im angeschlossenen Zentrum selbst durch, daneben laufen die Praxisbehandlungen. Wenn du als Physiotherapeut:in bei uns arbeiten möchtest, findest du auf der Karriereseite die Kontaktwege.
Was Sportwissenschaft und Sportlehramt angerechnet wird
Die Tabelle unterscheidet genauer, als die Berufsbezeichnungen vermuten lassen. Der Abschluss Diplom-Sportwissenschaftler/-in mit dem Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation wird im gesamten Dokument am weitesten anerkannt. Eine Einschränkung ist mit dem Hinweis auf eine konkrete Einzelfallprüfung versehen.
Für Bachelor- und Masterabschlüsse gilt das nicht. Sport- und bewegungswissenschaftliche Abschlüsse mit Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation decken laut Tabelle nur die Spalte Grundlagen ab. Die BAR begründet das damit, dass sich derzeit keine generelle Aussage zu den Inhalten der verschiedenen Studiengänge treffen lasse. Ob ein bestimmter Bereich anerkannt wird, klärt eine Einzelfallprüfung, die das Curriculum berücksichtigt. Bei Diplomsportlehrerinnen und -lehrern, Sportlehrkräften mit Lehramt und dem Magister Sportwissenschaft sieht es genauso aus. Die Grundlagen sind anerkannt, der Indikationsbereich fehlt.
Was zur Lizenz noch dazugehört
Mit dem Lehrgang ist es noch nicht getan. Damit der DBS die Lizenz ausstellt, brauchst du außerdem einen Erste-Hilfe-Nachweis über mindestens 9 Lerneinheiten in Präsenz, der bei der Lizenzierung nicht älter als zwei Jahre sein darf, den unterzeichneten Ehrenkodex und einen Nachweis über Mitgliedschaft oder Tätigkeit in einem Mitgliedsverein innerhalb des DBS. Zuständig ist die Stelle, bei der der entsendende Verein Mitglied ist. Ausgestellt wird die Lizenz über das DOSB-Lizenzmanagementsystem.
Wer Rehabilitationssport mit Kindern und Jugendlichen anleitet, braucht nach Ziffer 12.2 der Rahmenvereinbarung zusätzlich die erforderlichen psychologisch-pädagogischen Fähigkeiten und alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis.
Die Lizenz gilt vier Jahre, im Profil Innere Medizin zwei Jahre. Für die Bescheinigungen der anerkennenden Stellen gilt dieselbe Staffelung, dort mit zwei Jahren für Herzgruppenleitungen. In diesem Zeitraum musst du 15 Lerneinheiten Fortbildung nachweisen. Wie das Verfahren abläuft und was passiert, wenn die Frist verstreicht, liest du unter Rehasport-Übungsleiter-Lizenz verlängern.
Was von der Ausbildung online möglich ist
Eine Rehasport-Übungsleiter-Ausbildung ganz online lässt sich mit den DBS-Richtlinien nicht vereinbaren. Blended Learning ist ausdrücklich erlaubt, jeder Block hat aber einen Mindestanteil in Präsenz. In Block 10 sind das 51 von 86 Lerneinheiten, im Profil Orthopädie 46 von 72 und im Profil Innere Medizin 62 von 102. Pro Tag dürfen höchstens 12 Lerneinheiten in Präsenz und höchstens 8 Lerneinheiten als Online-Live-Seminar unterrichtet werden. Die Erste-Hilfe-Ausbildung findet in jedem Fall in Präsenz statt.
Wer ohne anerkannten Nachweis nicht anleiten darf
Die BAR-Tabelle schließt auch Berufe ausdrücklich aus. Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie medizinische Bademeisterinnen und Bademeister stehen in allen acht Spalten auf „N”. Ohne passende Zusatzqualifikation ist für sie keine Anerkennung vorgesehen. Qualifikationen, die in der Tabelle gar nicht vorkommen, prüft die anerkennende Stelle im Einzelfall und dokumentiert ihre Entscheidung nachvollziehbar.
Am Ende hängt davon die Gruppe ab. Rehabilitationssportgruppen müssen nach Ziffer 8.1 anerkannt sein, und der Kriterienkatalog in Anlage 1 fragt ausdrücklich, ob die Qualifikationsanforderungen erfüllt sind. Ohne anerkannte Übungsleitung wird die Gruppe nicht anerkannt, und der Träger kann mit dem Rehabilitationsträger nicht abrechnen. Wer anerkennt, regelt jedes Land selbst. In Berlin nennt der Landessportbund Berlin drei zuständige Fachverbände – den Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin, den Berliner Turn- und Freizeitsportbund und die Berliner Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen. Auch die Vergütung ist nach Ziffer 16.1 vertraglich je Land geregelt und damit nicht bundesweit einheitlich. Mit welchen Größenordnungen du rechnen kannst, steht unter Verdienst als Rehasport-Übungsleiter.
Die Frist zum 30. Juni 2026 betrifft das Funktionstraining
In Foren und auf Anbieterseiten liest man immer wieder von einer Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026, oft mit der Warnung, Übungsleiterinnen und Übungsleiter müssten bis dahin nachqualifizieren. Diese Frist gilt für die Leitung des Funktionstrainings, und sie steht auch nicht dort, wo die meisten sie suchen. Für die Leitung sind am 1. August 2024 neue Qualifikationsanforderungen in Kraft getreten, und das Dokument der BAR selbst gibt dafür zwölf Monate Zeit, also bis zum 1. August 2025. Die Verlängerung bis zum 30. Juni 2026, verbindlich angewendet seit dem 1. Juli 2026, haben die Rehabilitationsträger gemeinsam festgelegt. Belegt ist sie nur über den Verband der Ersatzkassen. Wer sich allein auf das BAR-Dokument stützt, nennt eine Frist, die elf Monate zu früh liegt. Für den Rehabilitationssport gilt diese Frist nicht. Die Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport sind am 1. Januar 2020 in Kraft getreten und haben die Fassung vom 1. Januar 2012 abgelöst, eine spätere Übergangsfrist enthalten sie nicht.
Die Übungsleiter-Lizenz ist eine von mehreren Zusatzqualifikationen in der Physiotherapie. Was im Funktionstraining zusätzlich verlangt wird, steht im Beitrag zu den Voraussetzungen im Funktionstraining. Wie lange die Zertifikate Manuelle Therapie, Lymphdrainage und KG-Gerät dauern und was sie kosten, findest du in der Übersicht zur Fortbildung.
Aequilibrium in Berlin-Hellersdorf führt Rehasport und Funktionstraining im eigenen Zentrum durch und sucht ausgebildete Physiotherapeut:innen. Der Stundenlohn liegt bei 22 bis 24 Euro je nach Qualifikation, und die Übungsleiter-Lizenz für Rehasport zählt dabei mit. Mehr steht in der Stellenanzeige.