Auf der Lizenz steht ein Ablaufdatum, und bis dahin musst du etwas tun. Geregelt ist das in den Richtlinien für die Ausbildung im Deutschen Behindertensportverband mit Stand 1. Januar 2025. Diese Richtlinien bauen auf den Rahmenrichtlinien für Qualifizierung des DOSB in der Fassung vom 10. Dezember 2005 auf, weichen aber gerade in den strittigen Punkten von ihnen ab. Wer im Netz nach Fristen sucht, findet meist die DOSB-Regel. Für die Lizenz „Übungsleiter*in B Sport in der Rehabilitation“ gilt aber die DBS-Regel.
Warum das Datum überhaupt zählt, steht in der Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining in der Fassung vom 1. Januar 2022. Nach Ziffer 12.1 werden die Übungen von Übungsleiterinnen und Übungsleitern geleitet, die aufgrund eines besonderen Qualifikationsnachweises die Gewähr für fachkundige Anleitung und Überwachung der Gruppen bieten. Maßstab dafür sind die Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport in der jeweils gültigen Fassung. Anlage 1 der Rahmenvereinbarung, nach der Rehabilitationssportgruppen anerkannt werden, fragt diesen Punkt ausdrücklich ab. Als Nachweis dient die Lizenz, und zwar nur, solange sie gültig ist.
Vier Jahre, im Profil Innere Medizin zwei
Ziffer 11.3.2 der DBS-Richtlinien begrenzt die Gültigkeit auf höchstens vier Jahre, im Bereich Innere Medizin auf höchstens zwei. Für die zweite Lizenzstufe führt Ziffer 11.3.2.2 die sechs Profile einzeln auf. Orthopädie, Sensorik, Neurologie, Psychiatrie sowie Geistige Behinderung und Intellektuelle Beeinträchtigung gelten vier Jahre, Innere Medizin zwei.
Die Frist beginnt mit dem Ausstellungsdatum und wird vom Abschluss der Ausbildung an gerechnet. Nach derselben Ziffer ist die Ausbildung erst abgeschlossen, wenn alle erforderlichen Dokumente bei der lizenzierenden Stelle eingegangen sind, und nicht schon am letzten Lehrgangstag. Wenn du damals Unterlagen nachgereicht hast, prüf das Datum auf der Karte. Der Prüfungstermin taugt dann nicht als Ausgangspunkt.
15 Lerneinheiten, und wo sie herkommen dürfen
Für die Verlängerung musst du innerhalb des Gültigkeitszeitraums Fortbildungen mit insgesamt mindestens 15 Lerneinheiten absolvieren (Ziffer 12.6). Eine Lerneinheit dauert 45 Minuten. Höchstens 8 davon dürfen online stattfinden, die übrigen in Präsenz. Anerkannt wird auch die Ausbildung in mindestens einem weiteren Profilblock. Die Fortbildung muss dabei in der höchsten erlangten Lizenzstufe liegen. Wer die B-Lizenz verlängert, verlängert die darunterliegende C-Lizenz automatisch mit.
Bundesweit anerkannt sind alle Fortbildungen, die der DBS, seine Landes- und Fachverbände oder die DBS-Akademie ausschreiben. Über Angebote außerhalb der DBS-Strukturen entscheidet der verantwortliche Träger oder die beauftragte Stelle, und nach Ziffer 12.5 musst du sie vorab genehmigen lassen. Das hat Folgen. Der Landesverband Rheinland-Pfalz etwa rechnet Lehrgänge von Sportbünden und Turnverbänden nur nach Einzelprüfung und höchstens zur Hälfte an und verlangt mindestens 8 Lerneinheiten aus Rehabilitationssportverbänden. Andere Landesverbände handhaben das anders. Eine bundeseinheitliche Liste anerkannter externer Anbieter gibt es nicht, frag deshalb vor der Buchung nach.
Ziffer 12.6 nennt noch eine zweite Voraussetzung, an der es in der Praxis öfter hakt als an den Lerneinheiten. Für die Verlängerung musst du Mitgliedschaft oder Tätigkeit in einem Mitgliedsverein innerhalb des DBS nachweisen. Wer die Lizenz ausschließlich außerhalb von Vereinsstrukturen einsetzt, klärt diesen Punkt besser vor dem Einreichen mit dem zuständigen Landes- oder Fachverband.
Die Fortbildung früh legen, den Antrag im letzten Quartal stellen
Die Fortbildung darf zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Gültigkeit liegen, du verlierst dadurch keine Zeit. Anlage 7 der Richtlinien rechnet das durch. Eine am 20. Februar 2022 ausgestellte Lizenz Orthopädie gilt bis zum 19. Februar 2026. Wird die Fortbildung am 15. Juli 2025 absolviert, beginnt die neue Gültigkeit trotzdem erst mit dem Ende der alten und reicht dann bis zum 31. März 2030, weil bis zum Ende des laufenden Quartals verlängert wird.
Eine Einschränkung gibt es dabei. Die neue Lizenz kann erst ab Beginn des Quartals ausgestellt werden, in dem die alte ausläuft, im Beispiel also ab dem 1. Januar 2026. Die Fortbildung darf weit im Voraus liegen, die Ausstellung bleibt an das letzte Quartal gebunden. Am besten planst du die 15 Lerneinheiten ein, sobald das dritte Jahr beginnt, und stellst den Antrag im letzten Quartal.
Wenn die Frist verstrichen ist
Hast du innerhalb des Gültigkeitszeitraums nicht genug Fortbildung nachgewiesen, verliert die Lizenz ihre Gültigkeit. Mehr steht in Ziffer 12.7 nicht. Eine Übergangszeit oder eine stillschweigende Weitergeltung ist nicht vorgesehen, und angekündigt wird der Ablauf auch nicht. Ein zertifiziertes Rehabilitationssportangebot verliert damit die personelle Grundlage seiner Anerkennung. Der Landesverband Rheinland-Pfalz weist ausdrücklich darauf hin, dass mit der Lizenz auch die Zertifizierung des Angebots fällt.
Die Qualifikation ist deshalb nicht verloren. Ziffer 12.8 regelt, wie ungültig gewordene Lizenzen reaktiviert werden, gestaffelt nach dem Abstand zum letzten Gültigkeitstag:
- Im ersten Jahr nach Ablauf: mindestens 15 Lerneinheiten, davon höchstens 8 online.
- Im zweiten und dritten Jahr: mindestens 30 Lerneinheiten, davon höchstens 15 online.
Wichtig ist, ab wann die neue Gültigkeit läuft. Sie wird mit den in Ziffer 11.3.2.2 genannten Jahren ab dem letzten Gültigkeitstag gerechnet und nicht ab dem Tag der Fortbildung. Anlage 7 zeigt, was das bedeutet. Eine am 1. Januar 2018 ausgestellte Lizenz Orthopädie galt bis zum 31. Dezember 2021. Wird die Fortbildung am 1. Juni 2022 eingereicht, gilt die Lizenz wieder bis zum 31. Dezember 2025. Wird sie am 1. Juni 2023 eingereicht, gilt sie ebenfalls bis zum 31. Dezember 2025, obwohl dafür doppelt so viel Fortbildung nötig ist. Wer erst am 1. Juni 2024 einreicht, absolviert 30 Lerneinheiten für eine Lizenz, die nach anderthalb Jahren wieder fällig ist. Wenn du die Frist verpasst hast, nimm deshalb den nächstmöglichen Lehrgangstermin und warte nicht auf einen, der besser passt.
Ist die Frist um mehr als drei Jahre überschritten, ist dieser Weg zu Ende. Nach Ziffer 12.8.3 verliert die Lizenz ihre Gültigkeit, und du kannst eine neue Lizenz beantragen, wenn du den verkürzten Grundlagenblock sowie den Profilblock nachweist. Die gesamte Ausbildung ist das ausdrücklich nicht. Der Profilblock Orthopädie umfasst nach Anlage 2 der Richtlinien 72 Lerneinheiten, der Profilblock Innere Medizin 102. Mehrere Landesverbände beschreiben diesen Fall auf ihren Seiten pauschal als „komplette Ausbildung“ und lassen den Aufwand damit größer erscheinen, als er ist. Verbindlich ist die Auskunft der zuständigen Stelle. Was der Weg von vorn im Einzelnen verlangt, steht unter Rehasport-Übungsleiter werden.
Für das Profil Innere Medizin gilt auch hier die kürzere Frist. Nach Ziffer 12.9 reichen 15 Lerneinheiten nur in den ersten drei Monaten nach Ablauf. Ab dem vierten Monat bis zum Ende des zweiten Jahres sind es 30, und bei mehr als zwei Jahren Überschreitung verliert die Lizenz endgültig ihre Gültigkeit.
Wo die DOSB-Regel aufhört
Die Staffel, die im Netz am häufigsten zitiert wird, stammt aus Ziffer 2.4 der DOSB-Rahmenrichtlinien. Dort stehen 15 Lerneinheiten im ersten Jahr, 30 im zweiten und dritten, Wiedereinsteiger-Programme mit 45 Lerneinheiten im vierten und fünften Jahr und eine komplette Neuausbildung erst danach. Diese Aufzählung steht unter der Überschrift „Empfehlung für die 1. Lizenzstufe“. Für die zweite und dritte Lizenzstufe hält derselbe Abschnitt fest, dass die Ausbildungsträger jeweils eigene Festlegungen treffen.
Die B-Lizenz Sport in der Rehabilitation gehört zur zweiten Stufe. Der DBS hat als Ausbildungsträger eine eigene Festlegung getroffen und die Grenze bei drei Jahren gezogen, im Profil Innere Medizin bei zwei. Die fünf Jahre, die viele Seiten als letzte Möglichkeit nennen, gelten für diese Lizenz nicht.
Wer verlängert, und was danach kommt
Zuständig ist die Stelle, bei der der entsendende Verein innerhalb des DBS Mitglied ist. In der Regel ist das der Landes- oder Fachverband und nicht der DBS selbst. Ausgestellt wird über das DOSB-Lizenzmanagementsystem. In Berlin ist der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Berlin zuständig. Er wickelt Ausstellung und Verlängerung nach eigener Angabe über sein Bildungsportal ab und verlangt dafür den Antrag und den Nachweis der 15 Lerneinheiten.
Ein Termin, der oft mit der Lizenzfrist verwechselt wird, hat mit ihr nichts zu tun. Die Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 betrifft die Leitung des Funktionstrainings. Deren Qualifikationsanforderungen sind laut vdek am 1. August 2024 in Kraft getreten und müssen spätestens ab dem 1. Juli 2026 verbindlich umgesetzt werden. Für den Rehabilitationssport gelten die Qualifikationsanforderungen Übungsleiter/-in Rehabilitationssport schon seit dem 1. Januar 2020. Wer Rehasportgruppen anleitet, richtet sich allein nach dem Datum auf der eigenen Lizenz.
Was dir die gültige Lizenz beruflich bringt, hängt davon ab, wo du arbeitest. In eine Praxis mit eigenem Rehabilitationssportzentrum fließt sie direkt in die Anerkennung der Gruppen ein, in einem Verein zählt sie anders als in der Selbstständigkeit. Mit welchen Beträgen du rechnen kannst, steht unter Verdienst als Rehasport-Übungsleiter.
Aequilibrium in Berlin-Hellersdorf sucht Physiotherapeut:innen, die auch im eigenen Rehasportzentrum arbeiten möchten. Eine gültige Übungsleiter-Lizenz zählt beim Stundenlohn von 22 bis 24 Euro mit. Zur Stelle als Physiotherapeut:in.