Die Weiterbildung in Manueller Therapie umfasst mindestens 260 Unterrichtseinheiten und dauert in der Praxis rund zwei Jahre, weil die Prüfung frühestens zwei Jahre nach Beginn erlaubt ist. Bei drei Anbietern mit Kursen in Berlin kostet sie 3.780 bis 4.200 Euro, Stand September 2026. Dazu kommen Fahrten, freie Tage und je nach Kursort Übernachtungen. Förderung gibt es kaum noch, einen Teil der Kosten holen Sie über die Steuer zurück.
Was der GKV-Vertrag vorschreibt
Manuelle Therapie ist eine Zertifikatsleistung. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt sie nur, wenn die behandelnde Physiotherapeutin oder der behandelnde Physiotherapeut eine Weiterbildung über die Berufsausbildung hinaus abgeschlossen hat. Was diese Weiterbildung enthalten muss, regelt die Anlage 7 zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V, aktuell in der Fassung vom 13. April 2026:
- Zugang: Teilnehmen können Personen mit einer Qualifikation, die sie zur Zulassung als Physiotherapeutin oder Krankengymnast nach § 124 Abs. 1 SGB V berechtigen würde.
- Umfang: mindestens 260 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten, also 195 Zeitstunden. Mindestens 20 davon entfallen auf Grundlagen und mindestens 230 auf den therapeutischen Prozess. Weitere 10 gehören der interdisziplinären Zusammenarbeit, mindestens 8 davon mit einer ärztlichen Fachlehrkraft.
- Gruppengröße: In den praktischen Einheiten betreut eine Fachlehrkraft bis zu 20 Teilnehmende, mit Assistenz bis zu 28. Größere Gruppen sind nicht zulässig.
- Gewichtung: 75 bis 80 Prozent Praxis, 20 bis 25 Prozent Theorie.
- Zeitrahmen: Abschluss in der Regel innerhalb von vier Jahren, Prüfung frühestens nach zwei Jahren.
Welche Weiterbildungsträger diese Anforderungen erfüllen, prüft im Auftrag der Vertragspartner der Verband der Ersatzkassen. Er führt eine eigene Liste der anerkannten Träger für Manuelle Therapie, zuletzt aktualisiert am 24. August 2026. Prüfen Sie Ihren Anbieter dort, bevor Sie sich anmelden.
Was die neue Fassung der Anlage 7 ändert
Die Neufassung gilt für Manuelle Therapie, Lymphdrainage und KG-Gerät. Sie ist seit 1. Juni 2026 in Kraft und ab 1. Juni 2027 verbindlich anzuwenden. Für die Manuelle Therapie bleibt der Mindestumfang bei 260 Einheiten.
Für laufende und geplante Kurse gilt eine Übergangsregel. Eine Weiterbildung nach dem bisherigen Lehrplan, die vor dem 1. Juni 2027 beginnt, wird anerkannt, wenn sie spätestens am 31. Mai 2031 abgeschlossen ist. Zertifikate und Abrechnungserlaubnisse nach der Fassung von 2021 behalten ihre Gültigkeit, eine erneute Prüfung ist nicht nötig. Fragen Sie vor der Anmeldung nach, nach welcher Fassung Ihr Kurs läuft.
Was die Fortbildung in Berlin kostet
Eine amtliche Preisübersicht gibt es nicht. Die folgenden Zahlen sind Anbieterangaben, abgerufen im September 2026:
| Anbieter | Aufbau | Gesamtpreis |
|---|---|---|
| MFZ Berlin | 6 Blöcke à 5 Tage (je 490 €), Theorie 2 Tage (280 €), Prüfung (560 €) | 3.780 € |
| mentor Fortbildungen, Kursort Berlin | 10 Kurse à 4 Tage über zwei Jahre, Prüfung inklusive | 3.990 € |
| TOP-PHYSIO, Kursort unter anderem Berlin | 340 Unterrichtseinheiten, rund zwei Jahre | 4.200 € |
Bei MFZ ist ein optionaler Wiederholungsblock für weitere 490 Euro nicht eingerechnet. Wer bei der Prüfung einen Teil wiederholen muss, zahlt dort 100 Euro für den schriftlichen und 165 Euro für den praktischen Teil. TOP-PHYSIO bietet Ratenzahlung an, mit 24 Raten zu 180 Euro oder 36 Raten zu 124 Euro. In der Summe sind das 4.320 beziehungsweise 4.464 Euro, also mehr als der Einmalpreis.
Inhaltlich setzen die Anbieter unterschiedliche Schwerpunkte. MFZ arbeitet nach eigener Angabe mit Bezug auf die Orthopädische Medizin nach Cyriax, TOP-PHYSIO verbindet strukturelle Manuelle Therapie mit osteopathischen Techniken. Für die Abrechnung mit der Kasse spielt das Konzept keine Rolle, dort kommt es nur auf die Anerkennung des Trägers an.
Hinzu kommt die Zeit. Bei MFZ kommen 35 Kurs- und Prüfungstage zusammen, bei mentor 40 Kurstage. Als Angestellte gehen dafür Urlaubstage weg, wenn Sie keine Freistellung bekommen, als Selbstständige fehlen Ihnen an diesen Tagen die Behandlungen.
Welche Förderung es 2026 noch gibt
Bildungsprämie: Sie ist ausgelaufen. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung endete die Ausgabe der Prämiengutscheine am 31. Dezember 2021.
Aufstiegs-BAföG: Nach den Kriterien des Bundes kommt es für das MT-Zertifikat kaum in Frage. Gefördert werden Lehrgänge, die auf öffentlich-rechtliche Prüfungen nach Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung oder gleichwertigem Bundes- oder Landesrecht vorbereiten, in der zweiten und dritten Fortbildungsstufe mit mindestens 400 Unterrichtsstunden. Das MT-Zertifikat stellt der Weiterbildungsträger auf Grundlage des Kassenvertrags aus, der Mindestumfang liegt bei 260 Einheiten. Wer es trotzdem versuchen will, bekommt beim zuständigen BAföG-Amt eine verbindliche Auskunft.
Bildungszeit in Berlin: Das Berliner Bildungszeitgesetz gibt Beschäftigten einen Anspruch auf fünf Tage bezahlte Freistellung pro Jahr, zusammengelegt mit dem Folgejahr bis zu zehn Tage. Die Kursgebühren tragen Sie selbst. Laut Senatsverwaltung muss die Veranstaltung anerkannt sein, und Sie müssen die Freistellung mindestens sechs Wochen vor Beginn beantragen. Für Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten gilt eine Sonderregelung. Von 35 bis 40 Kurstagen deckt die Bildungszeit also nur einen Teil ab, und auch den nur, wenn Ihr Anbieter für den jeweiligen Block einen Anerkennungsbescheid hat.
Arbeitgeber: Beteiligt sich die Praxis an den Kosten oder stellt Sie für die Kurstage frei, kann daran eine Rückzahlungsvereinbarung hängen für den Fall, dass Sie vor einem bestimmten Datum kündigen. Lesen Sie Laufzeit und Staffelung, bevor Sie unterschreiben.
Was Sie steuerlich zurückbekommen
Für ausgebildete Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ist die MT-Weiterbildung eine Fortbildung im erlernten Beruf. Kursgebühren, Prüfungsgebühr, Fahrtkosten und Übernachtungen sind deshalb Werbungskosten nach § 9 EStG. Sie wirken sich erst aus, wenn Ihre gesamten Werbungskosten im Jahr den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro übersteigen. Verteilen sich die Kursgebühren auf zwei Jahre, liegen Sie mit rund 1.900 bis 2.100 Euro pro Jahr allein damit schon darüber. Wie viel davon zurückkommt, hängt an Ihrem persönlichen Steuersatz. Was der Arbeitgeber erstattet, können Sie nicht zusätzlich absetzen.
Wie die Prüfung abläuft
Die Abschlussprüfung hat laut Anlage 7 zwei Teile. Der schriftliche Teil dauert mindestens zwei Unterrichtseinheiten, höchstens die Hälfte darf aus Multiple-Choice-Fragen bestehen. Der praktisch-mündliche Teil dauert mindestens 30 Minuten und enthält Fragen zu Extremitäten und Wirbelsäule sowie die Vorführung von Techniken. Jeder nicht bestandene Teil kann höchstens zweimal wiederholt werden. In der Prüfungskommission sitzen die verantwortliche Fachlehrkraft und zwei Beisitzende, von denen eine Person unabhängig vom Weiterbildungsträger sein muss. Manche Anbieter setzen zusätzlich eine Zwischenprüfung an, mentor zum Beispiel nach dem fünften von zehn Kursen.
Sobald das Zertifikat da ist, können Sie noch nicht gleich abrechnen. Die Praxis weist es nach und braucht für Sie eine Abrechnungserlaubnis, die die Arbeitsgemeinschaften nach § 124 Abs. 2 SGB V erteilen. Diese Erlaubnis gilt laut Anlage 7 ausschließlich für die Person, die die Weiterbildung abgeschlossen hat.
Wann sich die Weiterbildung rechnet
Laut Vergütungsvereinbarung zum Vertrag nach § 125 Abs. 1 SGB V (Anlage 2, gültig ab 1. Januar 2026) zahlen die gesetzlichen Kassen für Manuelle Therapie als Einzelbehandlung (Position X1201) 35,59 Euro. Für Krankengymnastik als Einzelbehandlung (X0501) sind es 29,63 Euro. Der Unterschied liegt bei 5,96 Euro pro Behandlung.
Für eine selbstständige Therapeutin ergibt das eine grobe Rechnung. Bei 3.780 Euro Kursgebühr braucht sie etwa 634 MT-Behandlungen, die sie sonst als KG abgerechnet hätte, bis die Gebühr wieder drin ist. Bei 4.200 Euro sind es etwa 705. Die freien Tage während der Kurse stecken in dieser Rechnung noch nicht.
Als Angestellte bekommen Sie die 5,96 Euro nicht direkt. Das Geld geht an die Praxis, und ob davon etwas in Ihrem Gehalt ankommt, müssen Sie verhandeln. Die Kassenvergütung gibt Ihnen für dieses Gespräch eine belastbare Zahl. Auch Aequilibrium sucht Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Was wir zahlen, steht in unserer Stellenanzeige: 22 bis 24 Euro pro Stunde je nach Qualifikation.
Neben der MT gibt es weitere Zertifikatspositionen mit eigenen Kosten und Regeln. Was die Fortbildung in Manueller Lymphdrainage und die Weiterbildungen für KG-ZNS nach Bobath oder PNF verlangen, lesen Sie in den jeweiligen Artikeln.